Darum geht es
Wenn beide Eltern da sind, wechseln wir uns entspannt ab, aber wie bringe ich allein zwei Kinder ins Bett? Beide Kinder wollen mich für sich haben und es gibt nur noch Konflikte.
Eure Frage.
Ehrlich gestellt.

Liebes Elternberatungsteam,

mein Kollege hat zwei exakt gleichalte Kinder wie wir: 4,5 und 2,5 Jahre. Bei denen liest abends ein Elternteil mit beiden ein Buch, während der andere schon mal die Küche aufräumt, und dann schlafen beide Kinder friedlich vor 19 Uhr ein. Ich bin so neidisch!

Ich weiß, vergleichen hilft nichts, alle sind verschieden, bei uns laufen andere Sachen dafür richtig gut. Und normalerweise schaffen wir die Abende ganz gut – aber nur, solange mein Mann und ich zu zweit sind. Es wäre natürlich echt toll, wenn auch dann einer von uns beide Kinder ins Bett bringen und der/die andere sich schon mal um anderes kümmern könnte, aber das scheint mir ein Ziel in weiter Ferne zu sein.

An normalen Abenden bringen wir also jeder ein Kind ins Bett und wechseln uns täglich ab, weil „Sonst ist es unfair!“, um meinen Großen zu zitieren. Die Kleine ins Bett zu bringen ist meist die undankbarere Aufgabe, sie schläft unter der Woche oft noch mittags in der Kita und dafür abends erst nach 21 Uhr ein (dann muss man sie morgens wecken, dann schläft sie den nächsten Tag noch länger in der Kita und so schaukelt sich das über die Woche hoch, auch ein schwieriges Thema, das uns einiges an Kraft kostet).

Aber zumindest beim Großen wird es langsam einfacher, er freut sich immer noch sehr, wenn er eine Einschlafbegleitung bekommt, meist spielen wir noch ein, zwei Runden Uno im Bett oder lesen ein Buch und dann darf ich ihm was vorsingen und er schläft ein. Er kann aber auch schon gut alleine einschlafen, dann macht er sich ein bisschen Musik an und kuschelt sich ein. Das funktioniert auch dann sehr gut, wenn ich nicht da bin und mein Mann beide Kinder ins Bett bringt.

Nur wenn mein Mann unterwegs ist und ich beide Kinder ins Bett bringen darf, eskaliert es regelmäßig.

Die unterschiedlichen Einschlafzeiten der beiden machen es natürlich noch mal besonders schwer, aber auch an Tagen, an denen die Kleine keinen Mittagschlaf hatte und beide früh müde sind, gelingt es mir nicht, eine gute Aufteilung und schöne Lösung für alle zu finden.

Zusammen ein Buch lesen klappt zwei Seiten lang, dann wird meistens einer müde und einer krawallig, es wird über das Buch diskutiert oder ob man nicht doch noch mal aufstehen könnte und das müde Kind wird dann sofort auch wieder wach. Sie beide in unterschiedlichen Zimmern einzeln zum Einschlafen zu bewegen klappt auch nicht, denn wenn es darum geht, dem anderen die Begleitung der Mutter zu gönnen, gibt es plötzlich keine Kompromisse mehr, da wird sofort losgeweint und gezetert und auch getreten und mit Sachen geschmissen, wenn ich sage, ich gehe jetzt mit einem Kind 10 Minuten rüber und bin dann wieder da.

Eigentlich lieben sich meine Kinder sehr und sind ein gutes Team und wir geben uns große Mühe darauf zu achten, dass keiner das Gefühl hat, kürzer zu kommen. Ich spreche auch oft mit ihnen, dass ich mich manchmal zerrissen fühle und dass es halt manchmal so ist, dass ich nicht alles gleichzeitig erledigen kann und dass alle Kompromisse machen können. Oft klappt das sehr gut. Aber abends wird das alles vergessen und niemand gibt nach. Am Ende sind wir alle drei übermüdet und traurig, irgendwann gelingt es, dass alle schlafen, aber erst Stunden nach der normalen Einschlafzeit und es fühlt sich nicht gut an.

Habt ihr Tipps, wie wir das besser lösen können?

Ich habe meinen Großen mal gefragt, wie er das lösen würde, aber er wusste keine Antwort. Ich habe ihn dann gefragt, wie er das machen will, wenn er mal Papa ist. „Das erzähle ich dir, wenn du Oma bist.“, hat er geantwortet. Ich bin schon sehr gespannt!

Die Antwort
unserer Expertin.
Wie bringe ich allein zwei Kinder ins Bett?
Dr. Maria Rockenfeller — FamilyLab Deutschland

Erstmal vielen Dank für deine so wertvolle Frage, die sich viele Eltern mit mehr als einem Kind stellen. Du bist also mit dieser Herausforderung nicht alleine und ich freue mich sehr, dir ein paar Gedankenanstöße dazu mitzugeben.

Als Erstes möchte ich dir sagen, dass es absolut nicht verwunderlich ist, dass sich Einschlafsituationen schwierig gestalten, wenn Kinder noch so jung sind und so einen geringen Altersabstand zueinander haben. Abgesehen davon, dass Gehirnentwicklungen wie der Perspektivwechsel erst in einem Alter von 4 Jahren beginnen, ist auch in Bezug auf die Kooperationsbereitschaft weniger zu erwarten als von älteren Kindern. Besonders zur Abendzeit, wo auch bei uns Erwachsenen der „Kooperationsrucksack“ oft leer ist.

Keine perfekte Lösung

Die erste wichtige Info ist also: Du machst nichts falsch! Sondern es ist evolutionsbiologisch nicht vorgesehen, dass ein Erwachsener sich um zwei Kinder kümmert. Vor allem nicht zu einer Tageszeit, in der alle müde sind und Kinder besonders viel Sicherheit brauchen. Und sich diese Sicherheit oft über Zuwendung und Nähe einholen.

Es gibt hier also keine perfekte Lösung, aber es gibt kreative Wege, die wir als Eltern mal ausprobieren können. Bevor ich zu konkreten Ideen komme, möchte ich dir vorher gerne etwas allgemeinere Impulse mitgeben.

Erstmal hört es sich für mich danach an, dass deinem Sohn die Zeit alleine mit dir ganz besonders wichtig ist und er sich möglicherweise jeden Tag sehr darauf freut. Gerade mit einer 2,5-jährigen Schwester wird es im Alltag wahrscheinlich eher wenig ungestörte Momente zwischen euch geben und deshalb kämpft er sehr dafür, dass er dich zumindest jeden zweiten Abend für eine kurze Zeit ganz für sich hat. Das ist sehr verständlich und wunderbar, dass er das ausdrücken darf.

Und das ist ein ganz wichtiger Teil meiner Antwort auf deine Frage:

Dein Sohn darf es blöd finden, dass das an den Abenden, wo du mit beiden Kindern alleine bist, nicht so möglich ist wie sonst. Und du darfst es blöd finden, dass es an manchen Abenden keine gute Lösung gibt.

Energie sparen im Vorhinein

Vor dem Hintergrund, dass die Abende alleine mit beiden Kindern sehr viel herausfordernder sind und es mit großer Wahrscheinlichkeit einiges an Gefühlen zu begleiten geben wird, ist es an diesen Tagen umso wichtiger, dass du tagsüber noch mehr auf deine Ressourcen achtest als du es eh schon tust. Das würde konkret heißen, dass du den Tag so kräfteschonend wie möglich planst und Entscheidungen in Bezug auf das Essen, die Freizeitgestaltung, die Medienzeit, etc. so triffst, dass es für dich gut ist. Immer in dem Wissen, dass wir dadurch möglichst gute Voraussetzungen für den Abend schaffen, es aber keine Garantie dafür ist, dass abends alles entspannt verläuft.

Jedes Kind steckt mal zurück 

Du schreibst, dass es dir sehr wichtig ist, dass kein Kind zu kurz kommt. Diesen Blick auf jedes einzelne Kind feiere ich auf der einen Seite sehr und gleichzeitig möchte ich dir sagen:

Gleichheit sollte nicht das Ziel von Erziehung sein. Es gibt immer wieder Momente im Leben, wo ein Kind warten muss: Wo ein Kind mit Süßigkeiten vom Kindergeburtstag nach Hause kommt und das andere keine hat; wo ein Kind neue Schuhe bekommt und das andere nicht.

Und das ist okay. Und genauso sind die Gefühle okay, die dadurch im Kind ausgelöst werden. Kinder dürfen frustriert sein. Was wir nicht wollen, ist, dass wir sie falsch machen für das, was sie empfinden.

In dem von dir beschriebenen Fall im Sinne von:

Bei Papa klappt das doch auch.“ 

„Warum stellst du dich bei mir immer so an?“

„Jetzt ist aber auch mal gut, ich bin doch gleich wieder da.“

Dann bekommt das Kind das Gefühl, mit mir als Person stimmt etwas nicht.

Aber dass mal das eine und mal das andere Kind „zurücksteckt“, das gehört in einer Familie, wo viele Menschen und Bedürfnisse aufeinandertreffen, dazu und das ist völlig in Ordnung. Was aus meiner Sicht die Verantwortung von uns als Eltern sein sollte, ist, im Blick zu haben, dass es auf keiner Seite auf Dauer überhand nimmt.

Ganz konkret könnte das in deinem Fall heißen, dass du schauen könntest, ob du in einer Zeit, wo du häufiger abends mit beiden Kindern alleine bist, bewusst tagsüber Einzelzeit mit deinem Sohn einplanen kannst. Ob ihr vielleicht eine Runde Uno spielen könnt, während deine jüngere Tochter etwas knetet oder bastelt oder im besten Fall von jemand anderem betreut wird.

Neue Möglichkeiten ausprobieren

Es könnte ganz grundsätzlich Sinn machen, sich den abendlichen Ablauf anzuschauen. So könntest du mal ausprobieren, ob es einen Unterschied macht, wenn du den Zeitplan um eine halbe Stunde oder Stunde vorverlegst, um die Chance zu erhöhen, dass alle noch mitmachen können.

Dann könntest du weitere Dinge versuchen, wie zum Beispiel, dass das weniger müde Kind neben dir über Kopfhörer ein Hörspiel hört oder in einem Buch blättert, während du das andere in den Schlaf begleitest.

Oder wenn regelmäßig ein Kind nach dem Lesen wieder aufsteht:

Gibt es etwas, das dieses Kind alleine in einem anderen Zimmer tun könnte, was du vorher vorbereitest? Im Idealfall etwas, das das Kind besonders gerne tut.

Und genauso wenn du dich dafür entscheidest, die Kinder in unterschiedlichen Zimmern ins Bett zu bringen: Was könnte dein Kind in dieser Zeit machen? Je nach Interessensgebiet könnte das etwas Spannendes sein, was es gerade sehr fesselt oder es ist etwas, was es möglicherweise beruhigt, wie zum Beispiel ein selbst aufgesprochenes Buch oder ein aufgenommenes Lied von dir.

Unserer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und es geht bei allen Ideen wirklich darum, das erstmal einfach nur auszuprobieren. Und wenn ihr wieder in einen Moment kommt, wo alle überfordert sind, ist manchmal der beste Weg:

Licht an, Pause machen, vielleicht nochmal kurz aufstehen, durchatmen, neu probieren.

Denn der Wunsch nach einer „schönen Lösung für alle“, wie du sie dir erhoffst, ist sehr verständlich und gleichzeitig in der Realität oft nicht umsetzbar. Wenn wir uns das bewusst machen und einen guten Blick haben für möglicherweise zu hoch angesetzte Erwartungen an Kinder in diesem jungen Alter, kann auch das schon Druck rausnehmen, weil wir uns nicht die ganze Zeit fragen: „Warum klappt das bei uns nicht?“

Denn wenn es wirklich der Wahrheit entspricht, dass die Abende bei deinem Kollegen immer so entspannt sind, wie er es beschreibt, kann ich dir aus jahrelanger Erfahrung als Familienberaterin und Dreifach-Mama sagen:

DAS ist die Ausnahme. Nicht umgekehrt.

Und es sagt lediglich etwas aus über die Persönlichkeit, das Temperament und die aktuellen Bedürfnisse der jeweiligen Kinder. Und es sagt nichts aus über dich als Mutter.

In diesem Sinne: Du machst das wunderbar und ich wünsche dir und euch alles Liebe!

Maria