Darum geht es
Bei uns geht bald die Eingewöhnung los und ich habe Angst, dass meine Tochter in der Kita nicht schlafen kann, da ich sie zum Einschlafen aktuell noch stille.

Eure Frage.
Ehrlich gestellt.

Hallo! Bei uns geht bald die Eingewöhnung los und ich habe Angst, dass meine Tochter in der Kita nicht schlafen kann, da ich sie zum Einschlafen aktuell noch stille. Sie nimmt keinen Schnuller, kein Schmusetuch, kennt nur mich als Einschlafbegleiterin und schläft eigentlich nur mit Körperkontakt oder im Kinderwagen. Ich habe Angst, dass sie es nicht schafft, sich alleine da in ein Bett zu legen – und liegen zu bleiben!! Des Weiteren wurde gesagt, dass nur ein Schläfchen möglich wäre und zwar erst um 12:30 Uhr, mein Kind wacht aber recht früh auf und wird noch nicht so lange durchhalten. Ich möchte aber nicht, dass sie da einfach vor Erschöpfung am Tisch oder so einschläft – oder sogar weinen muss, weil sie übermüdet ist.

Wie soll das nur funktionieren? Es fühlt sich so an, als stimmt einfach gar nichts an unserer familiären Schlafsituation mit den neuen Bedingungen in der Betreuung überein. Kann ich selbst etwas tun, um meinem Kind die Schlafsituation einfacher zu machen, wenn ja, was? Wie lernen Kinder den neuen Rhythmus? 

Die Antwort
unserer Expertin.
Eingewöhnung: Wird mein Kind in der Kita schlafen?
Rena Graf — FamilyLab Deutschland

Liebe Mama,

erstmal möchte ich Dir sagen, dass ich Deine Angst sehr gut verstehen kann, weil wir immer noch in einer Gesellschaft leben, die durch Verbote, Gebote oder Denkvorschriften unsere Ängste schürt beziehungsweise aufrecht erhält.

Dein Kind schläft noch nicht durch? Du stillst noch? Es schläft noch bei Dir im Bett? 

Dieser gesellschaftliche Druck führt dann dazu, dass wir das, was wir in unserer Kernfamilie leben und sich im Grunde gut und richtig anfühlt, hinterfragen und uns letztlich schlecht damit fühlen. 

Eigentlich können wir ganz selbstbewusst zurückfragen:

Warum eigentlich nicht?

Das ist einer meiner persönlichen Lieblingsleitsätze. Denn wir verwenden oft viel Energie, es anderen recht zu machen, uns anzupassen und dabei verlieren wir uns und unsere Bedürfnisse und Sichtweisen aus dem Fokus.

Umgang mit dem Stillen

Dass Du Deine Tochter noch stillst, tut Euch, wie ich das lese, beiden gut. Zum einen ist das Stillen eine sehr enge Verbindung zwischen Dir und Deiner Tochter und dient der Nahrungsaufnahme. Zum anderen dient es aber auch der Regulation sowie dem Bedürfnis nach Nähe, Wärme und Körperkontakt nachzukommen. Es gibt den Kindern Sicherheit und stärkt Eure Bindung. Gerade in Übergangssituationen brauchen Kinder diese Sicherheit. Deswegen würde ich an dieser Stelle empfehlen, zu Hause zunächst erstmal gar nichts zu verändern.

Der Übergang in die Kita und damit auch die brennende Frage: „Wird mein Kind schlafen, auch wenn dort alles anders ist?“, beschäftigt sehr viele Eltern.
Ob das Kind noch gestillt, ein bestimmtes Ritual zu Hause gepflegt wird oder nur der Spaziergang zum Schlafen führt: Meine Erfahrung als Kitabetreiberin zeigt, dass die meisten Kinder ziemlich schnell in der Kita schlafen und das neue System davon unterscheiden können, wie es zuhause gelebt wird.
In der Regel fühlen sie sich im Schutz der Gruppe wohl und meist auch sicher. Die Anwesenheit der anderen Kinder genügt dafür oft schon aus. Erstaunlicherweise kommen die kleinen Kinder gut mit den unterschiedlichen Tagesabläufen und Gegebenheiten zurecht. 

In der Kita gibt es das geschnittene Obst, den Singkreis, das Matratzenlager und zu Hause gibt es dann eben Milch aus Mamas Brust, Lieblingsspielzeuge und vielleicht das Familienbett.

Anpassungsfähigkeit der Kita

Ein sehr wichtiger Punkt, auf den ich achten würde, ist allerdings folgender: Wie flexibel zeigt sich die Kita gegenüber den Bedürfnissen der Kinder? Finden Sie Möglichkeiten, die Bedürfnisse von Groß und Klein zu kombinieren?

Häufig ist es immer noch so, dass sich die Kinder einem System anpassen müssen und nicht das System an das Bedürfnis des Kindes. Folgende Fragen sind dabei wichtig:

Darf ein Kind dann schlafen, wenn es müde ist? Und muss aber auch im Gegenzug nicht schlafen, wenn es nicht müde ist.?

Werden die Kinder in den Schlaf begleitet und wenn ja, wie? 

Sitzen die Erwachsenen zum Beispiel zwischen den Matratzen und stellen Körperkontakt zu den Kindern her und kuscheln sie sogar bei Bedarf oder sind die Kinder auf sich allein gestellt? 

Werden die Kinder getröstet?

Gibt es kuschelige Rückzugsorte für die Kinder, um auch mal nur zu ruhen, ohne dass es gleich der volle Mittagsschlaf sein muss? 

Werden von den Erwachsenen individuelle Alternativen gesucht und gefunden?

In der Praxis ist es für die Fachkräfte nicht immer einfach, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Wichtig ist aber, dass sie zumindest versuchen, andere Wege zu gehen. 

Bei uns in der Kita kommt es schon mal vor, dass Erzieher*innen mit den Kindern, die es brauchen, im Wagen spazieren gehen und das Kind so in den Schlaf bringen oder sich zu dem Kind mit dazulegen und sich gleich selbst dabei mit ausruhen. 

Da Du sagtest, dass Du noch stillst, könntest Du mit den Fachkräften über deine Stillgewohnheiten sprechen und fragen, ob sie Stillmöglichkeiten für Mütter anbieten, die Ihr Kind während der Eingewöhnungszeit oder danach stillen möchten. Falls das nicht möglich ist, kann abgepumpte Milch eine gute Lösung sein, die deiner Tochter kurz vor dem Schlafen über die Flasche gegeben wird. 

Dass so gar nichts an Eurer Schlafsituation zu Hause mit der in der Kita übereinstimmt, ist also gar nicht schlimm! Die Frage ist nur, wie gehen die Erwachsenen damit um? 

Deine Tochter wird früher oder später ihren Rhythmus in der Kita finden. Wann brauche ich Ruhe, Nähe, Distanz, Trost, Schlaf? Dafür braucht sie etwas Zeit und ganz wichtig: keine Übungsphase zu Hause.

Manche Kinder halten sich dann auch wirklich wach und schlafen gar nicht in der Kita, was dann wiederum Deine Flexibilität am Nachmittag fordern würde. Manchmal ist es dann der Nachmittagsschlaf, der wiederum bedingt, dass das Kind dann abends später ins Bett geht. Dann ist das eben mal für eine Weile so, ich bin mir aber auch da sicher, dass sich das einpendeln wird. 

Du hilfst deiner Tochter sicher, wenn Du ihr außerhalb der Kita viel Nähe und Begleitung schenkst, gerade in den Abendstunden und insbesondere in der Umstellungszeit. Denn es sind viele neue Menschen, Rituale, soziale, emotionale und kognitive Prozesse im Spiel, vergleichbar mit einem Arbeitstag von uns. 

Hätten unsere Kinder die Wahl, würden die meisten wahrscheinlich lieber zu Hause bleiben, deswegen mein letzter Tipp: Ein „zu viel“ an Verwöhnen, gibt es hier nicht.