Darum geht es
Zwei Kinder, noch kein Kindergarten, Mann arbeitet viel – und die Erschöpfung wächst. Wie schaffe ich es, die Kinder zu Hause zu betreuen? Was kann helfen, mit der Belastung umzugehen?
Eure Frage.
Ehrlich gestellt.

Ich bin 28 Jahre, zu Hause mit 2 Kids (3 Jahre und 1,5 Jahre) ohne KiTa und Kindergarten. Mein Mann arbeitet unter der Woche viel. Ich habe das Gefühl, niemand sieht den Stress, die Herausforderungen und Aufgaben, die ich täglich bewältigen muss. Wie schaffe ich es, die Kinder zu Hause zu betreuen, ohne mich dabei selbst weiter zu verlieren?

Aber das Kind mit 2 Jahren dann in die KiTa geben, nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus Selbstschutzgründen? Mein Gewissen würde mich auffressen!!!

Leider kenne ich niemanden in einer gleichen Situation. Kinder sind dann meist in der Krippe und im Kindergarten. Mein Ziel war es, die Kids zu Hause zu betreuen, bis sie in den Kindergarten kommen (der Große startet im September ’24, die Kleine im September ’25). Es ist so hart! Wie bleibt man fokussiert, liebevoll und bindungsorientiert? Die Großeltern sind leider beide weit weg. Wie kann ich den Kindern gerecht werden?

Lieber eine ausgeglichene Mutter und dafür die Kleine in die Krippe geben, was meiner Meinung nach mit 2 Jahren zu früh wäre? Oder aber Mama schaukelt die Kids bis zum Kindergarten selbst, aber steht gefühlt vorm Abgrund. Ist es nur eine Phase?

Mein Körper ist seit Oktober 23 dauerkrank, mein Alltag zu 90 % fremdbestimmt. Ich erkenne mich selbst nicht wieder.

Gibt es Mütter da draußen, denen es auch so geht, die ihre Kids bis zum KiGa Eintritt zu Hause haben? In meinem Umfeld bin ich die einzige und das ist eine Erfahrung, die mich viel in Frage stellen lässt.

Die Antwort
unserer Expertin.
Wie schaffe ich es, die Kinder zu Hause zu betreuen?
Heidy de Blum — FamilyLab Deutschland

Liebe Mama,

Als allererstes möchte ich dir sagen: „Du bist nicht alleine!!!!“ Dieses Gefühl der Überforderung mit zwei kleinen Kindern, das schlechte Gewissen, das Gefühl immer nur fremdbestimmt zu sein, das kennen ganz viele Mütter! Ich kenne es auch – wenn ich deine Fragen und Beschreibungen lese, kann ich direkt wieder spüren, wie verzweifelt ich die ersten Jahre als Mama war.
Es ist so unglaublich wichtig, dass wir als Mütter darüber reden, uns austauschen und sichtbar machen, dass es wirklich eine riesige Herausforderung sein kann, kleine Kinder den ganzen Tag alleine zu betreuen.

Jede ist anders

Ja, es gibt Mamas, für die ist es einfach die meiste Zeit schön, mit ihren Kindern zu Hause zu sein und sie können die Zeit mit ihren Kindern genießen und das ist auch wunderbar so und das darf auch so sein. Aber wir Mütter sind nun einmal alle ganz verschieden, mit ganz unterschiedlichen Ressourcen, Geschichten, Bedürfnissen, Herkunftsfamilien und Stresssystemen.
Und unsere Kinder sind zusätzlich auch alle ganz unterschiedlich. Sie haben ihre ganz individuellen Temperamente, Charaktereigenschaften und Persönlichkeiten. Und so kann es sein, dass manche Mütter einen Alltag mit vielen Kindern wunderbar meistern, selbst wenn die Kinder zu Hause betreut werden und es kann genauso gut sein, dass eine Mama mit nur einem Kind, das auch in die Kita geht, trotzdem am Ende ihrer Kräfte ist.

Was jetzt zählt, ist nicht, wie es in deinem Umfeld gerade so aussieht, sondern einzig und allein nur, wie es dir geht. Du schreibst, es sei zu viel, zu herausfordernd und dein Körper leidet durch Krankheiten. Das sind ganz wichtige und ernstzunehmende Zeichen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eigentlich gar nicht dafür gemacht sind, kleine Kinder ganz alleine großzuziehen. Wir brauchen Unterstützung und Entlastung und die scheinst du in deinem Alltag gerade nicht zu haben.

Ich kann dir nicht sagen, dass du deine Kinder einfach in die Kita geben sollst, wenn du dann auch kein gutes Gefühl hast und dir das auch wiederum Stress machen würde. Aber ich möchte dich dazu einladen, vielleicht noch einmal zu überprüfen, aus welchen Gründen du dich dagegen entschieden hast. Gibt es vielleicht andere Betreuungsmöglichkeiten in deiner Umgebung, die für dich und deine Kinder passender sein könnten? Ob Kita die passende Lösung für dich und deine Familie ist, kannst nur du mit deiner Familie gemeinsam entscheiden.

Ich möchte aber gerne etwas mit dir teilen, was auch für mich als Mutter unglaublich hilfreich war:

Kinder brauchen Erwachsene, die sich gut um sich selbst sorgen.

Wenn es dir gut geht, dann gibst du deinen Kindern etwas mit, was für ihr Leben unglaublich wertvoll sein wird. Nämlich die Botschaft: „Es ist in unserer Familie ok, wenn ich gut auf mich selbst achte!“

Sich selbst in den Mittelpunkt stellen

Wir sind immer so darauf bedacht, dass es unseren Kindern gut geht, dass wir uns dabei selbst oftmals komplett aus den Augen verlieren. Aber es bringt deinen Kindern überhaupt gar nichts, eine Mutter daheim zu haben, der es nicht gut geht. Denn wenn dein Akku leer ist, dann hast du nichts mehr zu geben. Dann ist es unmöglich ein liebevolles Miteinander zu gestalten.
Das hört sich immer so einfach an: „Kümmere dich gut um dich selbst“ – das ist es aber manchmal gar nicht. Wir sind so überfordert, dass „Selbstfürsorge“ nur noch zum weiteren Punkt auf unserer „ToDo-Liste“ wird. Wie kann so etwas also überhaupt funktionieren? Das ist bei jedem ein bisschen anders.

Spüre in dich hinein! Was würde dir ganz konkret helfen? Vielleicht gibt es Freunde, die dich bei Einkaufen und Kochen unterstützen können? Vielleicht gibt es eine Leihoma, die zu euch kommen kann und mit den Kindern spielen möchte? Welche Möglichkeiten gibt es, dich im Alltag zu entlasten?  Was brauchst du, damit es dir wieder besser gehen kann? Oder sind alleine solche Überlegungen schon zu anstrengend?  Vielleicht kannst du im ersten Schritt auch jemanden anderen darum bitten, ein wenig Entlastung zu organisieren?
Wie ist die Beziehung zu deinem Mann? Du schreibst, dass er unter der Woche viel arbeitet, doch kann er dir vielleicht bei dem Schritt helfen, neue Unterstützungsnetzwerke zu knüpfen?
Das sind alles nur Ideen und mit Sicherheit hast du noch viele weitere davon. Doch um Hilfe annehmen zu können, ist es unabdinglich, dass du dir die Erlaubnis gibst, dich und deine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Anfangszeit mit Kindern ist einfach unglaublich herausfordernd und zwei kleine Kinder in diesem Alter wollen dich natürlich am liebsten die ganze Zeit nur für sich alleine haben. Aber neben den Bedürfnissen deiner Kinder gibt es eben auch deine Bedürfnisse und die sind genauso wichtig und dürfen nicht übersehen werden. Deswegen ist der erste und allerwichtigste Schritt: Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst! Gib dir die Erlaubnis, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die dich irgendwie entlasten können! Du darfst es dir leicht machen, so leicht wie es in dieser Phase eben gehen kann.

Du bist überhaupt nicht alleine – diese Gefühle kenne ich und so viele andere Mamas – wir dürfen uns gut um uns sorgen, nicht nur das, wir müssen uns gut um uns sorgen; für uns, für unsere Kinder, für unsere Familien!